Kraftraum fürs Gehirn …

Der Vorsitzende des baden-württembergischen Philologenverbandes, Bernd Saur, wurde von der Südwest Presse interviewt zum Thema Warum heute noch Latein. Den größten Vorteil für SchülerInnen sieht er darin, dass Latein die Muckibude fürs Gehirn (verlinkt trotz Leistungsschutzrecht) sei. Es kommen Begründungen, die ich immer wieder gehört habe: Latein fördere das analytische, strukturierte und kombinatorische Denken (gut bei allen komplexen Sachverhalten), trainiere Gedächtnis und Ausdauer … und wenn es einen zur Verzweiflung bringt, kann man die wichtige Eigenschaft der Frustrationstoleranz entwickeln. Lateinschüler würden systematischer lernen, Durchhaltevermögen und Anstrengungs-bereitschaft zeigen, gute rhetorische Fähigkeiten und einen weiten Horizont entwickeln. Wobei Letzteres wohl etwas im Gegensatz zu Saurs Einschätzung steht, gerade der in sich gekehrte Schülertyp dürfte mit Latein glücklicher werden.

Es wäre interessant zu erfahren, von welchen belastbaren empirischen Befunden diese Aussagen Saurs gestützt werden. Vermutlich werden die meisten Vertreter anderer Schülfächer vergleichbare Begründungen für die Relevanz ihres Faches anführen.
Ersetzen wir doch oben vor der Argumentationskette einfach mal Latein durch Programmieren bzw. Programmiersprache XY. Klingt dann immer noch genauso plausibel und passt bestens zu dem postulierten Stellenwert der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik; vgl. MINT-EC, den Verein mathematisch-naturwissen-schaftlicher Excellence-Center an Schulen e.V.).

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